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DadA-Literatur, Dok.-Nr.: DA-L0000492

Lösche, Peter
Anarchismus. - 1. Aufl. - Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1977. - 169 S.
(Erträge der Forschung; 66)

ABSTRACT:
Lösches Arbeit ist der Versuch einer Standortbestimmung und Bilanz der bisherigen akademischen Anarchismusforschung. Diese ist seines Erachtens durch gravierende methodologische und sozialhistorische Defizite gekennzeichnet. Inhalt: I. Anarchismus - Auf der Suche nach dem Forschungsgegenstand / II. Internationaler Anspruch - nationale Realität: 1. Anarchismus in Deutschland, 2. Anarchismus in Spanien, 3. Anarchismus in Rußland / III. Anarchismus - Frühsozialismus, Syndikalismus oder Rätekommunismus / IV. Aktueller Anarchismus - Anarchismus als Gesellschaftskritik: 1. Studentenbewegung und Anarchismus, 2. Der pragamatische Anarchismus, 3. Anarchismus als Kritik am Marxismus-Leninismus / Autorenregister Petra Weber beurteilt in "Sozialismus als Kulturbewegung" Lösches Studie wie folgt: "Im Anschluß an die Arbeiten von Eric J. Hobsbawm [Sozialrebellen] und Rolf R. Bigler hat Peter Lösche eine sozialgeschichtliche Typologie anarchistischer Bewegungen zu erstellen versucht. Lösche interpretiert die anarchistische Bewegung als Protestbewegung am Übergang von der feudalen zur kapitalistischen Gesellschaft, als Ausdruck der gesellschaftlichen Modernisierungkrise im 19. Jahrhundert. Zu den beiden klassischen Formen des Anarchismus zählt Lösche den Agrar- und Handwerkeranarchismus, der am Ende des 19. Jahrhunderts seine Fortsetzung in einer modernen Variante des Anarchismus, dem Anarcho-Syndikalismus findet, den Lösche als den 'Anarchismus der Industriebetriebe' bezeichnet. So hilfreich Lösches Versuch einer Typologie der anarchistischen Bewegung auch ist, ihr Erklärungswert bleibt doch begrenzt, denn Lösche begreift den Anarchismus ausschließlisch als eine 'archaische' Protestbewegung und läßt seine konstruktiven Ideen, seine ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ideale einer neuen Gesellschaftsordnung unerwähnt. Die große Resonanz, die der Anarchismus bei der entstehenden Arbeiterbewegung der 1. Internationale fand, kann durch Lösches Typologie nur unzureichend erklärt werden, der die Beziehung zwischen Arbeiterbewegung und anarchistischer Bewegung nur sehr oberflächlich berührt hat. Da Lösche davon ausgeht, der Anarchismus habe 'Theorielosigkeit' zum 'Prinzip erhoben', klammert er die Frage nach dem Selbstverständnis des Anarchismus und dem Ort des Anarchismus innerhalb des sozialistischen Theoriebildungsprozesses, über die in den Schriften der anarchistischen Theoretiker reflektiert wird, aus. Lösche läuft dadurch Gefahr, den Anarchismus auf eine Protesthaltung zu reduzieren. Er sieht im Anarchismus eine 'anti-staatliche', 'anti-bürokratische', 'anti-parlamentarische', 'anti-parteiliche' und 'anti-verbandliche' Protestbewegung, die dadurch ihren Verzicht auf Theoriebildung in 'Irrationalität' umschlägt und dadurch zum Scheitern verurteilt ist. Der Anarchismus hat sich zwar immer als antidogmatisch verstanden und sich gegen die Sterilität vorgefaßter Gesellschaftssysteme gewehrt, ihn als 'a-theoretisch zu bezeichnen, griffe erheblich zu weit. Gerade in seinen theoretischen Schriften hat der Anarchismus immer wieder das Verhältnis von Theorie und Praxis diskutiert und problematisiert." (Weber: Sozialismus als Kulturbewegung, 1989, S.24f.) Des weiteren kritisiert Weber an Lösche, daß obwohl er immer wieder auf die kollektiven Tendenzen des Anarchismus hingewiesen hat, sich nicht von den traditionellen Fehleinschätzungen bzw. Diffamierungsversuchen der marxistische Anarchismusforschung lösen kann. "In der Traditionen von Lenins Diktum, der Anarchismus sei ein 'umgestülpter bürgerlicher Individualismus', ist man bestrebt, den Anarchismus aus der Ahnenreihe des Sozialismus zu verdrängen und ihn als eine radikale Version des bürgerlichen Individualismus zu interpretieren." (Weber, S.20) In seinem Aufsatz "Anarchismus - Versuch einer Definition und historischen Typologisierung" formuliert dies Lösche wie folgt: "... der Anarchismus treibt den Individualismus bis zu seiner letzten Konsequenz.
[Bearb.: js]

Bearbeitungsstand: 28.03.1992



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Die DadA-Kritik: copy-and-paste-Syndikalismusforschung. Helge Döhring's bedenklicher Umgang mit Quellen

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