Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus - DadA 

Abteilung: Periodika 1798 - 2001 ff.
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DadA-Periodika, Dok.-Nr.: DA-P0000596


WIR WOLLEN ALLES <Frankfurt a.M.>

Redaktion: Gisela Erler (v.Red.); Achim Bergmann (v.Red. Nr.26-27); Thomas Schmid
Körperschaften: Arbeitersache, München; Arbeiterkampf, Köln; Revolutionärer Kampf, Frankfurt a.M.; Lotta Continua, Frankfurt a.M.; Proletarische Front, Hamburg und Bremen und Bochum; Rote Fahne, Saarbrücken; Klassenkampf, Zürich; Lucha Obrera; Marxistische Gruppe, Erlangen
Verlag: Politladen Erlangen
Ort: Gaiganz; München; Frankfurt a.M.
Land: Deutschland <Bundesrepublik>
Sprache: deutsch; italienisch; griechisch
Erscheinungszeitraum: Jg.1 (1973) - Jg.3 (1975), Nr.27
Erscheinungsverlauf: Jg.[1] (1973), Nr.1 (12.3.), 2 (19.3.), 3 (Apr.), 4 (Mai), 5 (Jun.), 6 (27.Jul.), 7/8 (Aug./Sep.), 9 (Okt.), 10 (Nov.), 11 (Dez.) u. Sondernr. (Nov.)
Jg.[2] (1974), Nr.12 (Jan.), 13/14 (Feb./März), 15 (Apr.), 16, 17, 18, 19 (Aug.), 20 (Sep.), 21 (Okt.), 22 (Nov.), 23 (Dez.) u. Sondernr. Häuserkampf (Jul.)
Jg.[3] (1975), Nr.24 (Jan.), 25 (Feb.), 26 (März), 27 (Jun.)

Erscheinungsweise: monatlich
Preis: 1,- DM; 2,- DM
Typographie: Offset
Format: DIN A3
Beilagen: Sonderbeilage zu den Prozessen gegen Astrid Proll und Marianne Herzog (in Nr.7/8); Ein Jahr Militärdiktatur und Widerstand in Chile (in Nr.19)
Vorgänger: Proletarische Front <Hamburg>
Nachfolger: Autonomie
Bemerkungen: Anfang der 70er Jahre bildeten sich aus dem linksradikalen spontaneistischen Lager in verschiedenen Orten (Köln, Frankfurt a.M., München, Hamburg, Bremen) sogenannte Betriebsprojektgruppen, die sich in Abgrenzung zu den ML-Gruppierungen an den Methoden des italienischen Operaismus orientierten. Dabei wurde die Arbeiterklasse, im Unterschied zur Avantgarde-Theorie des Marxismus-Leninismus, als revolutionäres Subjekt wieder aufgewertet. Durch die politische Intervention in den Betrieben sollte das praktische Eingreifen mit einem Erkennen des tatsächlichen Bewußtseins der Arbeiter(klasse) verbunden werden. "Wir wollen alles" wurde als gemeinsame Zeitschrift dieser Gruppen herausgegeben, wobei der tragende Konsens von der Münchener Gruppe "Arbeitersache" im Januar 1973 wie folgt charakterisiert wurde: "Arbeiterautonomie, Primat der Praxis und der Betriebsarbeit, radikale Gewerkschaftskritik, Einbeziehung der Ausländer in den nationalen Klassenkampf, praktische Bezugnahme auf den proletarischen Lebenszusammenhang." (nach Geronimo, 1990, S. 37) Weiter heißt es in einer Selbstdarstellung: "Diese Zeitung ist ein Kampfblatt. Ein Blatt für alle, die am dauernden Klassenkampf beteiligt sind. Ein Ausdruck des täglichen Kleinkriegs der Unterdrückten gegen die Unterdrücker. Ein Ausdruck der Diskussion darüber. Ein Ausdruck unserer Arbeit, unserer Fehler." (aus: Frankfurter Gemeine 1973, Nr.9, S.7)
Die Zeitschrift wurde anfänglich auch in italienisch und griechisch herausgegeben und war in der gesamten Bundesrepublik verbreitet.
Unter der Überschrift "Anders machen!" wurden in Nr.27 ausführlich die Gründe und Hintergründe für die Einstellung der Zeitschrift dargestellt. Dazu heißt es: "wir begannen in der Diskussion zu begreifen, daß wir einem Anspruch nachgelaufen waren, der [...] nicht mehr zu realisieren ist". Die Diskussion um die WIR WOLLEN ALLES wurde auch in der Sponti-Zeitschrift "Kölsche Klüngel" (Nr.9, S.24) geführt. Dort werden im Wesentlichen zwei Gründe für die Einstellung angeführt. Zum einen konnte der anfängliche Anspruch - breites Diskussionsorgan mit wechselnden Redaktionsgruppen - nicht eingelöst werden; im Gegenteil arbeiteten im Laufe der Zeit immer weniger Gruppen mit, bis die Zeitschrift zum Schluß nur noch von der Frankfurter Redaktionsgruppe gemacht wurde. Zum anderen wurden ebenfalls inhaltliche Gründe aufgeführt: "die immer wiederkehrenden aktionsberichte wurden immer mehr zu schablonen, durch die erfahrungen überhaupt nicht mehr vermittelt werden konnten. 'theoretische' artikel bestanden fast nur noch aus linken standards und moralischen appellen."

Beiträger: Bucksch, Jürgen; Jaeckel, Monika; Pfannenmüller, Friederike; Schäfer, Jürgen; Schandelmaier, Raimund; Stalljes, Gerd
Standort: IISG Amsterdam: 1973-1975; FES Bonn: 2.1973 - 27.1975 (N=23) : SIGN.: XX 1868; AsB Bremen: Nr.1, 6, 9-11, 15, 19-21, 25, Sondernr. 1.11.73, Ausgabe auf griechisch aus 1973; AFAS Duisburg: 1.1973 - 27.1975 : SIGN.: 90.III.76; DB Frankfurt a.M.: 3-5.1973, 13/14.1974 : SIGN.: D za 872; TtE Köln: Nr.1, 3-27 u. Sondernr. "Lange war der Bergmann still..." (Nov.73), Wir wollen alles - Häuserratszeitung (Juli 74), Flugblatt "Ist wir wollen alles noch zu retten"; CIRA Lausanne: H. 1.1973 - 27.1975 : SIGN.: 514; DBZ Stuttgart: 1.1973,2 - 1.1975,24 (L) : SIGN.: DZ 170
ZDB-Ident.: 1012030
Literaturhinweise: Geronimo (1990), S.36-39; Geronimo (1995), S.51-55, 71, 232; Heider: Schülerprotest, S.232; Scheerer: Deutschland, S.286; Schwarze Texte, S.36; Seipert, Thomas: Wir wollen alles! Versuch, die Spontis der 70er Jahre vor ihrer staatstragenden Nachhut zu schützen. - In: So oder So - Die Libertad!-Zeitung (2001), Nr.8, S.18-19; Sponti avanti! Sponti continua! Exemplarische Kritik der WWA. - In: Revolte! (1974), Nr.12, S.15-19; Wird die "Wir wollen alles" eingestellt? - In: Kölsche Klüngel (1975), Nr.9, S.24; Zur Funktion der WIR WOLLEN ALLES. - In: Kölsche Klüngel (1974), Nr.1, S.6-9; Zur Kritik am Frankfurter Zeitgeist. - In: Die Aktion <Hamburg> (1991), Nr.84/85, S.1347-1348 (Kritik an Thomas Schmid); 10 Jahre Archiv, S.12; 20 Jahre radikal, S.186
Bibliographien: Antiquariatskatalog d. Pinkus-Genossenschaft, Katalog 411: Periodica (Politik, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Sozialismus), Zürich (August) 1992, Nr.939; Deutschsprachige Bibliographie der Gegenkultur, S.84; Eberlein (1996), Nr.36914; Geronimo (1995), S.216; Jenrich, Nr.335; Spall, S.16
Quellen: Autopsie: Nr.1-27
Publikationsform: Zeitschrift
Libertärer Bezug: Hausbesetzung; Spontibewegung; Autonomie; anarchistische Tendenzen; operaistisch
Bearbeitungsstand: 14.07.2001

(c) Projekt DadA, Libertad Verlag Berlin, Köln & Potsdam 2001

Anmerkungen, Ergänzungen, Kritik sind erwünscht an: berlin@dadaweb.de oder koeln@dadaweb.de


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