Datenbank des deutschsprachigen Anarchismus - DadA 

Abteilung: Periodika 1798 - 2001 ff.
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DadA-Periodika, Dok.-Nr.: DA-P0001020


DISKUS

Untertitel: Nachrichtenblatt der Vereinigung der Freunde und Förderer der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main e.V.; Frankfurter Studentenzeitung; Franfurter StudentInnen Zeitschrift (1998)
Nebentitel: hibiskus (Nullnr. Dez. 1997 der Neuausgabe des diskus ab 47. Jg. 1998, http://www.copyriot.com/hibiskus)
Einzeltitel: Diskus-Extrablatt ca. 1967 - 1971
Körperschaften: Vereinigung der Freunde und Förderer der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt a.M.
Verlag: Diskus
Ort: Frankfurt a.M.
Land: Deutschland <Bundesrepublik>
Erscheinungszeitraum: Jg.2 (1952), Nr.3 - Jg.41 (1992), Nov. u. Jg.43 (1994), Nr.1/2, Jg.44 (1995), Nr.1 u. Jg.47 (1998), Nr.1+2 (Mai) -
Auflage: 10000
Typographie: Offset
Format: DIN A3; DIN A4
Beilagen: Diskus-Beilage (1953-1958); Materialien zur Strategieentwicklung (Nr.1, 1971)
Vorgänger: Frankfurter Studentenzeitung
Nachfolger: abgespalten: Die Beute
Bemerkungen: Gegründet 1951 in den Anfängen der Bundesrepublik als "Frankfurter Studentenzeitung" und nach einem Jahr unter dem Titel "DISKUS" herausgegeben, konnte der Zeitschrift durch die Anbindung an den AStA und die damit verbundene rechtliche und finanzielle
Absicherung eine lange publizistische Kontinuität gesichert werden. Diese besondere Konstruktion hatte aber auch eine gewisse Abhängigkeit von den Mehrheitsverhältnissen im Studentenparlament und damit von der politischen Konstellation der Bundesrepublik insgesamt zur Folge, so daß der DISKUS im Laufe seines Bestehens mehrfach gründlich sein Gesicht veränderte und insofern mehr von den politischen Veränderungen getrieben wurde, statt selbst Treibender zu sein.
In seinem politischen Profil ist der DISKUS denn auch zunächst ganz der konservativen Adenauerära verhaftet: stramm antikommunistisch und elitär. Ende der 50er Jahre öffnet sich der DISKUS Formexperimenten der künstlerischen Avantgarde und mausert sich zum Organ der Feuilletonlinken.
Mit der ersten breiten Politisierung der Studenten wurde er Ende der 60er Jahre zum Organ der Gegenöffentlichkeit, nunmehr mit dem Untertitel "Arbeiter-, Schüler- und Studentenzeitung". Diese Wende markiert die Dezember-Ausgabe von 1968, die den Titel trägt "Zerschlagt den DISKUS und macht einen neuen." Statt der "Idylle des linken Schmuckkästleins" wurden "Elemente des Spontanen, Unvermittelten" und eine "einfache Beschreibung dessen, was passiert" sowie die Gründung von Basisgruppen propagiert.
Vor dem Hintergrund der sich nach 1969 in der Studentenbewegung ausbreitenden politischen Resignation bzw. marxistisch-leninistischen Dogmatisierung findet der DISKUS über ein kurzes sozialdemokratisches Zwischenspiel zu einer radikalen Kritik des "Spätkapitalismus" und wird so von 1972 bis 1977 zu einem Teil der außerparlamentarisch organisierten Neuen Linken. Neben einer Auseinandersetzung mit der RAF und Beiträgen zum Internationalismus war der Häuserkampf das bestimmende Thema, getragen von der Spontibewegung mit der Sozialistischen Hochschulinitiative (SHI) als deren Organisation an der Hochschule. Ein weiteres zentrales Aktionsfeld war die Betriebsarbeit bei Opel in Rüsselsheim, die von den italienischen Arbeiterautonomievorstellungen der Gruppe "Revolutionärer Kampf" geprägt wurden. Nach dem Ende des Internationalismus, des Häuserkampfes und der Betriebsarbeit als aktiven Interventionsstrategien setzte Mitte der 70er Jahre der Rückzug in die Szene und die Ausbreitung der Ökologiediskussion ein. Eine gewisse Kontinuität wurde allerdings zunächst bei den Komplexen RAF / Repression durch die weitere Berichterstattung gewahrt.
Die Auswirkungen des "Deutschen Herbstes" 1977 verschärfen diese Rückzugstendenzen. Das studentische Milieu gerät in den Vordergrund, die Diskussion über Gewalt wurde tabuisiert und die Universität als Hort des gewaltfreien rationalen Diskurses verstanden. Die Wahl eines rechten ASTA 1985 markiert das Ende der Sponti-Tradition. Kritik schlägt in Affirmation um. Der DISKUS wird Mitte der 80er Jahre eingestellt, da der rechte ASTA als neuer Herausgeberder nicht in der Lage ist die Seiten zu füllen. Erst Dezember 1989 wird der DISKUS, erneut gestützt auf eine linke Mehrheit, wieder herausgegeben aber dann bereits im November 1992 wieder eingestellt.
Im Juli 1995 erscheint erneut eine Ausgabe (Nr.1, Jg.44) des DISKUS als Organ des Anti-AStA-Bündnisses. Hintergrund war die Räumung des Kommunikationszentrums (KoZ) durch die Polizei auf Veranlassung des rot-grünen AStA der Uni Frankfurt nachdem es von den Betreibern des Cafés und Unterstützern besetzt wurde. Es werden die Redebeiträge der dazu organisierten Diskussionsveranstaltung dokumentiert.
Im Mai 1998 erscheint der diskus erneut mit der Nr. 1+2 als 47. Jahrgang. Im Editorial heißt es dazu u.a. "Es gibt ihn wieder, den diskus! Der diskus ist die Zeitschrift der verfaßten Studierendenschaft der Frankfurter Universität und war die letzten Jahre verschütt' gegangen." Zur "theoretisch-politischen Position" wird weiter ausgeführt: "Wir verstehen die Zeitung als Diskussionszusammenhang der politischen 'Neo-Linken' (gut gelabelt), orientiert an radikaler Hochschul- und Gesellschaftskritik - so, Duftmarken sind gesetzt." Als Nullnummer der Neuausgabe des diskus erschien im Dezember 1997 der "hibiskus" anläßlich des Streiks an den Franfurter Hochschulen, herausgegeben von der Initiative diskus.

Anschrift: c/o Mertonstr. 26-28, D-60325 Frankfurt a.M
eMail: diskus@copyriot.com
Internet: http://www.copyriot.com/diskus
Reprint: Küss den Boden der Freiheit. diskus - Texte der Neuen Linken. Hrsg.: Redaktion diskus. Berlin u. Amsterdam: Edition ID-Archiv, 1992. 458 S. 29,80 DM
Standort: IDA Amsterdam: SIGN.: ZK 43196 id; AFAS Duisburg: 1968,4.8, 1969,5/6, 1970,1.2.4, 1971,5, 1972,2.5, 1973,1-4, 1974,1, 1975,2, 1976,4, 1977,4/5.6, 1978,1-5/6, 1979,1.5.6, 1980,1/2.4, 1983,3.6, 1990,4, 1991,1.4, 1992,1.2 : SIGN.: 85.V.0.2:1; TtE Köln: 1973: 5, 1975: 1, 3, Sondernr. April, 1976: 1/2, 4, 1977: 6, 1980: 5, 1981: 1/2, 3-5/6, 1982: 1-2, 3, 4/5, 1983: 1, 2, 3, 4/5, 1984: 1, 2/3, 5, 10, 1985: 1-3/4, 1986: 1/2, 3/4, 1987: 1/2, 1989: 1/2, 1990: 1-4, 1991: 1-2, 4, 1992: 1-3, 1993: 1/2, 1995: 1, 1998: 4
ZDB-Ident.: 1729; 514354 (VG); 515002 (Extra.); 959414 (Mater.)
Literaturhinweise: Darmstädter, Tim: Die Geschichte des DISKUS, Teil 1 (1951-69): Von der "vorbildlich gediegenen Frankfurter Studentenzeitung" zum "Blatt für die Kaderbildung" und "Massenagitation". - In: DISKUS (1989), Nr.1/2, S.4-16, Teil 2: Sozialdemokratische Rekonstruktion, Linksradikales Organ und Kulturalisierung. - In: DISKUS (1990), Nr.1, S.35-51; Scheerer: Deutschland, S.269
Bibliographien: Deutschsprachige Bibliographie der Gegenkultur, S.73; Eberlein (1996), Nr.7151; Die Krise der autonomen Medien, S.5; Verzeichnis der Alternativmedien 1997/98
Publikationsform: Zeitschrift
Libertärer Bezug: Autonomie; Spontibewegung; nichtanarchistisch; anarchistische Tendenzen; Linkes Umfeld
Bearbeitungsstand: 14.07.2001

(c) Projekt DadA, Libertad Verlag Berlin, Köln & Potsdam 2001

Anmerkungen, Ergänzungen, Kritik sind erwünscht an: berlin@dadaweb.de oder koeln@dadaweb.de


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