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DadA-Literatur, Dok.-Nr.: DA-L0000333

Helms, Hans G.
Die Ideologie der anonymen Gesellschaft: Max Stirners "Einziger" und der Fortschritt des demokratischen Selbstbewußtseins vom Vormärz bis zur Bundesrepublik. - Köln: DuMont Schauberg, 1966. - 619 S.
(DuMont Aktuell)
Bemerk.: im Anhang: Max Stirner Bibliographie (Periodika, Aufsätze u. Monographien), S. 507-600, Personenregister

ABSTRACT:
Die Studie von Hans G. Helms ist tendenziös auf eine politische Diffamierung das Anarchismus, insbesondere in seiner individualistischen Erscheinungsform ausgerichtet. Vor dem marxistischen Hintergrund des Verfassers ist eine solche Tendenz-Geschichtsschreibung durchaus verständlich. Und sie steht in einer langen Tradition, die bis auf die Verleumdungsschriften von Marx und Engels gegen Bakunin und andere Antiautoritäre aus der Zeit der I. Internationale zurückreicht. Seit Georg Lukács die These vom deutschen philosophischen Irrationalismus als einer Quelle des Nationalsozialismus in die Diskussion gebracht hat, ist sie von der marxistischen Geschichtsschreibung bevorzugt auch gegen den Anarchismus ins Feld geführt worden. Die Arbeit von Helms kann hierfür als exemplarisch gelten. Die Denunziation des individualistischen Anarchismus erfolgt bei Helms recht subtil durch eine Verdichtung von akribisch recherchierten Fakten, die in ihrer Quintessenz seine Kernthese von Stirner als Wegbereiter einer ins Reaktionäre ausufernden Mittelstandsideologie stützen sollen. Ulrich Linse kritisiert an der Arbeit Helms: "Was jedoch Helms (bei seiner These von Stirner als Mittelstandsideologen, J.S.) übersieht, ist das Faktum, daß gerade die Bohème-Intelligenz in Stirner während der Kaiserzeit und Weimarer Republik ihren Lehrmeister sah, und unter der Anregung Mackays und vorbereitet durch den Nietzsche-Kult seine für den Arbeiter schwer verständlichen Schriften im Original las: so Rudolf Steiner, der frühe Gustav Landauer, Erich Mühsam, dann aus dem Mühsam-Kreis Rudolf Böhm, Oskar Maria Graf und Georg Schrimpf. Auch Karl Friedrich Hartmann, Johannes Holzmann und Red Marut stützten sich auf ihn; ebenso läßt Albert Weidners 'Armer Teufel' Stirner anklingen. Der 'individualistische Anarchismus' der Weimarer Republik bestätigt die Wertschätzung, der sich Stirner gerade in der Bohème erfreute". (Ulrich Linse: Organisierter Anarchismus im Deutschen Kaiserreich von 1871, Berlin 1969, S. 106f.) In ihrer Detailfülle ist die Studie bislang immer noch eine der wichtigsten Arbeiten zur Geschichte des individualistischen Anarchismus in Deutschland. Ausführliche Bibliographie zum Thema Stirner-Rezeption. (js)
[Bearb.: js]

Bearbeitungsstand: 26.03.1992



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Die DadA-Kritik: copy-and-paste-Syndikalismusforschung. Helge Döhring's bedenklicher Umgang mit Quellen

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